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11 June 2010

Politikern in die Suppe gespuckt

Ein Ausdruck der Stimmung im Land
 

Letzten Freitag gab Maria Farantouri zusammen mit dem Saxophonisten Charles Lloyd ein Konzert im Herodion. Als der Komponist Mikis Theodorakis das antike Herodion betrat, applaudierten die Zuschauer. Wenig später trat Premierminister Jorgos Papandreou mit seiner Frau ein und Frau Farantouri begrüsste ihn übers Mikrophon. Woraufhin Papandreou von den Zuhörern ausgebuht wurde. Darüber berichtete der Radiosender Skai in einer Lifesendung, noch während des Konzerts.

Jetzt muss man da verstehen, dass das Herodion ein antiker "Musikpalast" ist und als solcher eine unglaublich gute Akustik hat. Wenn man da in der fünftletzten Reihe mit dem Nachbarn spricht, da können das die Leute in der untersten Reihe hören. Spricht man in gehobener Zimmerlautstärke, verstehen sie was man sagt. Ich habe erlebt, wie das gesamte Herodion einem Störenfried in einer Stimme "Schnauze!" zugerufen hat... das kracht.

Ende April (laut Stefanos Kasimatis von der "Kathimerini", gefunden in einer Kolumne in "Ta Nea") sass der ehemalige Premier Kostas Karamanlis im Restaurant "17" und ass Fisch. Eine Frau von einem entfernten Tisch erkennt ihn, steht auf, geht zu ihm hin und ruft ihm ins Gesicht: "Ich spuck auf dich! Alles was du kannst ist fressen!" ("Φτου σου! Μόνο να τρως ξέρεις!") Sie setzt sich wieder. Karamanlis schaut sie nicht an, läuft rot an, zahlt und geht innert Minuten.

Aus der gleichen Quelle und dem gleichen Zeitraum: Der ehemalige Finanzminister Alogoskoufis geht mit Freunden ins Restaurant "Tilemachos" in Kifisia. Zwei Stammkunden greifen ihn verbal an. Sie sind so aggressiv und beharrlich, dass der Ex-Minister sich aufmacht und das Lokal samt Begleittrupp verlässt.

Interessant ist dabei auch, dass die Zeitung Ta Nea wohl die Geschichten von den beiden Nea Dimokratia Politikern im Restaurant aufgriff und genüsslichst wiedergab. In ihrem Bericht über Papandreou am Konzert der Farantouri schreibt Ta Nea, dass bei der Begrüssung von Papandreou "Applaus aber auch ein paar Buh-Rufe" zu hören waren. So kann man das als parteitreues Organ natürlich auch schönreden. Es gibt in Griechenland eben keine unabhängige Presse. Auch in allen Fernsehberichten (ob staatlich oder privat) war vom Buh-Konzert nichts zu erfahren. Die Journaille ist sich nicht zu schade, den Politkern immer noch die Stiefel zu lecken, auch nach allem, was passiert ist.

Diese Anekdoten kursieren dafür umso freier von Mund zu Mund. In der Tat wurde die Karamanlis-Geschichte mir so berichtet, dass die Frau Karamanlis in den Teller gespuckt hat, statt "Φτου σου" zu sagen (was "spuck auf dich" bedeutet, aber auch im Sinn von "toi toi toi" verwendet wird). Von Alogoskoufis hingegen wird erzählt, dass ihn die Gäste mit Salat beworfen haben. Darüber, welche Version wahr ist, kann man nun trefflich philosophieren.


Posted by betabug at 15:38 | Comments (0) | Trackbacks (0)
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