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27 October 2012

Die "Lagarde-Liste" (Falciani-CD) publiziert

Im Kreuzfeuer

Im heute erschienenen Magazin Hot-Doc hat der Journalist Kostas Baxevanis die griechischen Namen aus der "Liste Lagarde" (in der Schweiz auch als "Falciani-CD" bekannt) publiziert. Diese CD enthält 24000 Namen von Kunden der Schweizer Filiale der Bank HSBC aus dem Jahre 2008, darunter "fast 2000" griechische Kunden. Die NZZ berichtete erst gerade am 3. Oktober wieder über die Odyssee der Falciani-CD.

Nun hat Baxevanis also alle Namen abgedruckt. Grosse Politiker sind keine drunter - wohl weil die Liste "über ein Jahr" in der Schublade des griechischen Schwerverbre... entschuldigung, des griechischen Ex-Finanzministers Evangelos Venizelos lag. Der hatte also genug Zeit, sich und seine Freunde von der Liste zu entfernen.

Die Reaktionen auf diese Publikation werden wohl über ein weites Spektrum reichen. Da sind die, die Baxevanis als Helden feiern werden - oder sogar als Märtyrer, denn die Staatsanwaltschaft hat bereits Anzeige erstattet wegen der Verletzung des Datenschutzes der Leute auf der Liste. Da sind die, die danach rufen, dass die Staatsanwaltschaft nicht nur den Journalisten verfolgt, sondern auch die vermuteten Steuerhinterzieher auf der Liste. Ein Online-Kommentar im Forum der Zeitschrift "Capital" machte hingegen darauf aufmerksam, dass mit der Publikation der Namen Menschen zur Zielscheibe von Erpressern und Räubern werden, Menschen, deren Status als Kunden der HSBC gar nicht zwingend illegal und steuerhinterziehend ist.

Sinnvoller wäre es vielleicht gewesen, die Liste recherchierend durchzuarbeiten und die wirklich interessanten Fälle aufzudecken. Das hätte allerdings länger gedauert und wäre vielleicht mit weniger Paukenschlägen verbunden gewesen.

Die ganze Geschichte der "Steuer-CDs" ist ein Eiertanz zwischen Steuer-Gerechtigkeit, Recht auf Privatsphäre und dem ursprünglichen Anliegen des Bankgeheimnisses, die Autonomie des einzelnen vor dem allmächtigen Staat zu schützen. Man kopple das ganze mit unzufriedenen Bankangestellten und Staatsdienern, die vor Hehlerei nicht zurückschrecken und daraus wird ein herrliches Theater, das davon ablenkt, dass z.B. der frühere Finanzminister Venizelos seinem Kumpel mal eben 800 Millionen zuschieben kann oder ein Herr Schäuble 200'000 DM von einem Waffenschieber bekommt... und keiner von beiden wird wirklich dafür belangt oder daran gehindert die griechischen Rentner für die Kosten ihrer eigenen Verbrechen aufkommen zu lassen.


Posted by betabug at 22:00 | Comments (0) | Trackbacks (0)
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