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21 June 2013

ERT - Das staatliche Griechische Fernsehen, Journalisten überall, und die alte Falschmeldungs-Masche

Schlaft, Leute, schlaft ein

Vorletzte Woche platzte die Nachricht, dass die griechische Kolonialverwaltung die staatlichen Radio- und Fernsehsender (kurz als "ERT" bezeichnet) schliessen wird. In der gleichen Nacht danach wurde das Signal abgeschaltet. Grosses Echo auf der ganzen Welt. Die Mitarbeiter besetzten die Gebäude, senden ein "Streikprogramm", in dem all die Informationen gesendet werden, die es sonst nie ins Fernsehprogramm schaffen. (Zerstörung der Halkidiki durch Goldabbau kanadischer Grosskonzerne, ohne dass auch nur ein Euro beim griechischen Staat landet? Schon mal von gehört?)

Am letzten Samstag fuhr ich bei den besetzten Gebäuden der ERT vorbei und traf dort Freunde. Es waren sehr viele Leute dort, tagtäglich gehen Bürger dort vorbei, um ihre Unterstützung zu bekunden. Die Stimmung bei den Entlassenen ist nicht besonders gut, wie man sich ja vorstellen kann.

Jetzt melden die europäischen Medien, dass das oberste Verwaltungsgericht entschieden hat, dass die ERT nicht schliessen muss, lediglich einen "Neustart" soll es geben.

Liebe Journalisten: Gratuliere, Ihr habt Euch wiedermal manipulieren lassen. Gibt es eigentlich etwas erbärmlicheres als Journalisten? Tagtäglich machen sie sich zu Handlangern und Stiefelleckern der Mächtigen und Reichen. Wenn dann Ihresgleichen abgesetzt werden sollen, weil so ein staatlicher Sender vielleicht ein kleines Bischen zu kritisch war (nicht dass der Unterschied mir z.B. aufgefallen wäre), dann machen sie kurz in Krokodilstränen und drucken gleich wieder manipulierte Meldungen ab ohne auch nur minimalst zu hinterfragen.

Das Wort "Neustart", liebe Journis, sollte bei Euch knallrote Alarmglocken auslösen. "Neustart" ist ein typisches Neusprech-Wort. "Reform" und "unausweichlich"? Ach wie Neusprech.

Worum geht es bei der Schliessung der ERT eigentlich?

Geht es darum, Geld zu sparen und den Staatshaushalt zu entlasten? Hahaha, gut gelacht. Die ERT wird nicht aus dem Staatshaushalt bezahlt, sondern über Rundfunkbeiträge (die über die Stromrechnung bezahlt werden). Ich weiss nicht, ob der Staat noch was zuschiesst, aber mir hat ein Mitarbeiter gesagt, dass die ERT häufig sogar Gewinn erwirtschaftet hat. Die Leute, die vergangene Regierungen mit fetten Wundergehältern in die oberen Etagen der ERT platziert hatte wurden schon rausgeschmissen, um die kann es wohl nicht gehen. Eher werden sie im neuen Sender wieder drin sein.

Was also hat das oberste Verwaltungsgericht gesprochen? Zuerst einmal, dass die Entlassung aller Mitarbeiter rechtens ist. Dann, dass es rechtens ist, dass die Regierung einen Posten schafft, der alleine die Neueinstellungen für den neuen Sender überwachen darf, von Samaras Gnaden. Als einziges kleines "Zückerchen", dass es nicht sein soll, dass es eine Periode gibt, in der der Sender ganz zu ist und nicht sendet. Es ist also alles was passiert rechtens, Korruption, Vetternwirtschaft, Günstlingswirtschaft erhalten einen Freibrief. Was denn, Ihr Journalisten habt nichts davon gemerkt? Ihr glaubt immernoch, es ist etwas "rückgängig gemacht worden"? Gratuliere.

Das ganze ist die alte Masche mit Falschmeldungen: Man druckt etwas gross ab was von vorne und hinten falsch ist. Die Ôffentlichkeit liest, hört, sieht... und ist beeindruckt. So ist es also. In zwei, drei Wochen stellt sich das alles als falsch heraus. Vielleicht meldet man es dann auch. Klein. Irgendwo weit hinten. Kein Schwein sieht es. Aber technisch gesehen hat man es ja korrigiert, es ist also alles in Ordnung.


Posted by betabug at 09:08 | Comments (0) | Trackbacks (0)
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Life in Athens (Greece) for a foreigner from the other side of the mountains. And with an interest in digital life and the feeling of change in a big city. Multilingual English - German - Greek.
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