betabug... Sascha Welter

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06 March 2008

Auf dem Schiff

Aussichtsdeck

Das Aussichtsdeck am Heck liegt leer wie erwartet, die verschraubten Plastikstühle und Tische feucht von der Kühle der Nacht über der Ladefläche. Konstantin geht weiter seinen Weg auf der anderen Seite des Schiffs Richtung Bug. Sein alter Freund Stanley Lamb hatte ihn gebeten, den Techniker zu begleiten. Und vielleicht ein Auge auf ihn zu haben, Beide hatten sich angewöhnt, nicht immer alles auszusprechen. Vor vielen Jahren waren sich in den Büros eines grossen Zeitungsverlages zwei junge Männer begegnet. Bede verschieden in Herkunft und Ausbildung, doch beide mussten sich in der von den älteren Verlagsmitarbeitern dominierten Umgebung zurechtfinden und behaupten.

Durch das matte Glas in der Tür ist nicht viel zu erkennen, aber auf dem Schild steht: "Für Passagiere kein Zutritt". Er greift nach der Türklinke und grüsst beim Betreten der Crewmesse freundlich. Zu essen gibt es eine dicke Suppe, Weissbrot und Käse. Der Käse ist so hart, dass Konstantin ihn mehr abbricht als schneidet. Um diese Zeit der Nacht werden die Mahlzeiten einfacher. Die Seeleute sind mit Essen beschäftigt, lassen Konstantin in Ruhe. Die Fragen nach den neuesten Ereignissen, von denen der Reporter berichten kann, wurden schon abends gestellt. "Der Junge?", fragt der Koch. Konstantin schüttelt den Kopf, nimmt noch einen Löffel Suppe. "Er schläft. Lass ihn schlafen." Der Koch kaut selber an Käse und Brot, er fragt nicht nach. Um diese Zeit der Nacht ist man dankbar für jeden, den man schlafen lassen kann. Das Neonlicht ist hart und kalt in der Messe.


Posted by betabug at 09:29 | Comments (0) | Trackbacks (0)
18 March 2008

Kathedrale

Auf dem Weg rein

Noch tief in den Eingeweiden der Kathedrale bewegt sich Leon auf die andere Seite dieser Tür zu. Er verlässt den dunklen Raum hinter der Gasse, lässt leere Flaschen, leere Kartons und zwei Mopeds hinter sich. Im Gang blenden ihn Neonröhren. Sie sind taghell und doch wirkt der Gang düster. Auf allen Oberflächen klebt eine gelbliche Schicht aus Fett und Dreck. Die Luft ist abgestanden und schmeckt flach. Er geht an der Spülküche vorbei, riecht faulige Zitronen und weggeschütteten Alkohol. Die Spülmaschinen zischen und dampfen gegen das Rum-Dum-Dum der Soundanlage an. Zwei Office-Burschen schauen kurz auf, als er vorbeigeht, ein Moment des Wahrnehmens in einer Nacht voll gleicher Handgriffe. Dann laden und entladen sie weiter Gläser aus den Maschinen. Leon folgt dem Gang um die Ecke, geht auf die Tür zum Club zu. Die Tür kommt ihm entgegen, ein Abräumer mit einem Tablett voll leerer Gläser hastet herein. Leon drückt sich auf die Seite, zieht das Telefon aus der Tasche. Das Display sagt, dass der Anruf aus dem Büro kam. Leon beisst sich auf die Unterlippe, fühlt, wie das Blut aus seinem Kopf rauscht. Bevor ihm die Beine wegknicken, kann er sich gerade noch gegen eine Eiswürfel-Maschine lehnen. So schnell hätte er nicht damit gerechnet.


Posted by betabug at 09:38 | Comments (0) | Trackbacks (0)
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