betabug... Sascha Welter

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15 February 2015

Wie ich die Syriza-Wahl-Nacht verbracht habe

Eine unfreiwillige Reportage

Am Sonntag, 25. Januar 2015, fanden in Griechenland Parlamentswahlen statt. Ich selber verfolgte die Wahlen am Fernsehen und in persönlichen Gesprächen. Ich habe ja seit vielen Jahren keinen Fernseher mehr, aber an diesem Wahlsonntag lag ich im Spital, in einem Zweibett-Zimmer, und mein Zimmernachbar hatte einen Fernseher gemietet. Er war dort mit (fast seiner ganzen) Familie, ich war dort mit meiner Freundin. Wir unterhielten uns über alles was passierte. Unfreiwillgerweise war es eine Reportage über die Befindlichkeit Griechenlands.


Wir hatten das Glück in einem Zweibett-Zimmer zu liegen, ein paar Türen weiter lagen die Patienten zu acht auf einer Stube. Mein Nachbar konnte leider nicht als Vorzeigenummer des "faulen Griechen" herhalten. Er war zwar schon pensioniert bevor er 65 Jahre alt war, aber er hatte auch schon als Teenager angefangen zu arbeiten und Rentenbeiträge zu zahlen. Irgendwann fiel ihm ein Stapel Kartons mit Schrauben aufs Bein. Das Knie war von da an mehr oder weniger hin, das Hüftgelenk musste wieder eingerenkt werden, aber arbeiten ging Vassilis trotzdem. Jetzt lag er mit einem funkelnagelneuen, künstlichen Hüftgelenk neben mir, denn die Einrenkung hatte da scheints etwas Schaden angerichtet und dann ging es nicht mehr. Nachdem der Arzt entschieden hatte, dass die Operation nötig ist, gab es 6 Monate später plötzlich einen freien Termin für ihn. Ich hatte mir den Oberschenkel gebrochen. Mein Termin war nicht freiwillig gewählt, aber meine drei Schrauben waren sicher das einfachere Problem.

Vassilis war in Begleitung von Käthi, seiner Frau. Und hier meine ich: In ständiger Begleitung, Käthi war immer da, ausser sie ging kurz was zu essen holen. Meine Freundin war auch immer da, mit ein paar mehr Pausen, wenn sie von Freunden abgelöst wurde. Auf der Station mit 25 Patienten gibt es eine Schwester. Wenn du da Nachts eine Bettflasche brauchst, kann es sehr lange dauern. Du brauchst jemanden, der sich um dich kümmert. Die Schwester war natürlich da, wenn es wirklich zur Sache ging, Tropf auswechseln, Blutprobe, und so weiter. Aber alles andere, da brauchst du eine Begleitperson. Also waren wir zu viert. Die Begleitpersonen schliefen auf den Besucherstühlen. Mir tat das Bein weh, aber ich war froh, dass nicht ich auf den Stühlen schlief.

Das Personal im Spital war sehr kompetent und motiviert. Aber zum Teil halt auch sehr am Anschlag. Gerade in der ersten Nacht nach der Operation, in der Chirurgie-Nachbetreuung war die Schwester die ganze Nacht am rennen. Die Details mag ich grad nicht aufschreiben, aber man kann sich das vorstellen.

Die Schichtpläne haben mir auch nicht ganz eingeleuchtet (einen Abend bis 11 Uhr Nachts und dann am nächsten Morgen wieder ab 7), aber sie meinten, dass das an anderen Tagen wieder kompensiert wird. Das Putz-Personal und die Küchenleute sind "outsourced". Sie verdienen 450 Euro im Monat. Gerade die Küchenmannschaft war sehr freundlich. Essen... naja, ich habe es sportlich genommen alles zu essen was mir da gebracht wurde. Nur zweimal musste ich passen, da hatten sie statt Vanille-Crème aus Versehen Gips-Paste ins Schüsselchen getan. Die Krankenschwestern haben wir nicht gefragt, was sie verdienen. Ich persönlich wünsche ihnen, dass sie sehr gut verdienen, durchaus auch gerne viel mehr als ich.

Ein Grund für die Zustände sind ganz sicher die von der Troika verordneten Kürzungen im Gesundheitswesen. Denn wenn man Milliarden rausgehauen hat für zweifelhafte Grossprojekte, ist es sicher der beste Weg an Spitälern und Schulen zu sparen, das leuchtet ein. Als dann 2012 "Griechenland gerettet wurde" (in Wahrheit die deutschen und französischen Banken gerettet wurden), zwang der damalige Finanzminister Venizelos die Renten- und Krankenkassen all ihr Geld in Staatsanleihen zu stecken, die genau 24 Stunden später entwertet wurden. Seitdem sind die griechischen Renten- und Krankenkassen endgültig Pleite. Vassilis' Rente wurde um gut 40% gekürzt.

Also am Wahl-Sonntag hatte Vassilis Familienbesuch. Seine beiden Töchter, Onkel, Tanten, ein paar Freunde. Die eine Tochter arbeitet in einer grossen Supermarkt-Kette beim Käse und bekommt nach ein paar Jahren Firmenzugehörigkeit inzwischen auch fast soviel Lohn, wie als sie vor der Krise dort angefangen hat. Die andere Tochter hat noch nie eine Arbeit finden können - irgendwie muss die Jugendarbeitslosigkeit von 50% sich ja statistisch ausdrücken.

Tagsüber brachte die Glotze erstmal "Fensterchen", auf Englisch heisst das "talking heads". Bildschirme mit Leuten die reden. Wissen tun sie alle noch nichts, aber hauptsache es labert. Dann kamen die Bilder von Politikern, die wählen gingen. Hier waren die Kommentare allgemein nach dem Muster "was, den gibts noch?", "dass der noch wählen darf!" und ähnliches.

Inzwischen fanden wir heraus, was unsere Zimmernachbarn in all den Jahren so gewählt hatten, was sie über die verschiedenen Politiker dachten, welche Hoffnungen sie hatten - oder eher nicht hatten. Wie wir auch, waren Sie im Frühling 2011 auf der Strasse, als das Volk über Monate den Syntagma-Platz im Zentrum Athens besetzt hatte. Wie wir auch, waren sie von der Polizei gejagt und mit Tränengas eingedeckt worden.

Wir wussten alle, dass SYRIZA die Wahl gewinnen würde. Schon bei der letzten Wahl hatte wenig gefehlt. Was offen war, war ob es für die absolute Mehrheit reichen würde. Nachdem ich in den Tagen davor, von einigen sehr unwahrscheinlichen Leuten gehört hatte, dass sie SYRIZA wählen würden, rechnete ich fast damit, dass es zur absoluten Mehrheit reichen würde. Die offiziellen Umfragen zeigten jedoch ein anderes Bild. Hinter diesen Umfragen steht die Presse, und die ist über verschiedene Grossunternehmer direkt mit den "alten" Grossparteien verbunden.

Dann kamen die ersten Exit-Polls. Wir guckten uns gegenseitig an, das war schon einiges mehr als erwartet. Niemand im Raum war gross am Jubeln, aber alle freuten sich. Es bedeutete erst einmal, dass die alten Verbrecher nicht mehr in der Regierung sind. Die Hoffnungen in die neue Regierung waren niedrig. Als dann die ersten Auszählungen eintrafen, wurde das Grinsen im Raum breiter. Zur absoluten Mehrheit reichte es nicht, aber schon am nächsten Tag war die Koalition mit ANEL (den "unabhängigen Griechen") da. Ich persönlich finde das gut, denn der konservative Koalitionspartner gibt den konservativeren Mitbürgern eine Mitsprache, und kann gerade beim Militär auch gut mitreden.

In der europäischen Presse liest man über Herrn Kammenos und ANEL immer so Sachen wie "Spinner" und Rechtspopulisten. Das ist Quatsch. Herr Kammenos war ehemals bei der Nea Dimokratia - dort haben ihn die gleichen Journalisten nie als sowas bezeichnet. Er ist aber dort ausgestiegen, weil er im Parlament nicht bereit war für das Programm der Troika stimmen zu stimmen. Eine seiner ersten Aussagen als Verteidigungs-Minister war, dass alle Akten über frühere Waffenkäufe geöffnet und überprüft werden. Ich glaube, da liegt der Hase im Pfeffer, im Umkreis der deutschen Waffenindustrie werden wohl grad die Verkaufszahlen für Windeln angekurbelt. Da will man schon mal vorsorglich den Gegner verunglimpfen.

Nach einem langen Tag mit viel Fernseh-Glotzen, war ich nudelfertig. Ich versuchte zu schlafen, so gut es ging. Es war schwierig eine Position zu finden für mein Bein, das überheizte Zimmer und der Lärm des Spitals halfen nicht. Doch auch diese Nacht ging vorbei und am nächsten Tag wachten wir in einem Land auf, dass zumindest versuchte, etwas für seine Bürger zu tun. Vielleicht kommt irgendwann auch etwas davon im Gesundheitswesen an.

Posted by betabug at 09:25 | Comments (1) | Trackbacks (0)
13 June 2015

Mal wieder geschafft abzustimmen

Eine gewisse Ausfallquote
Bestätigung der elektronischen Stimmabgabe

Dieses Wochenende ist in der Schweiz Abstimmungswochenende. Als Ausland-Schweizer habe ich es diesmal wieder mal geschafft abzustimmen. Das klingt jetzt etwas flapsig, aber tatsächlich gibt es bei mir dabei eine gewisse Ausfallquote.

Das erste grosse Hindernis ist, dass mich die Abstimmungsunterlagen erreichen sollten. Dummerweise gibt es bei meiner Post eine Verlustquote von etwa 20% (sehr grob geschätzt). Also kommen ab und zu die Abstimmungsunterlagen gar nicht erst an. Dann bin auch mal ich schuld, dass ich die Abstimmungsunterlagen nicht habe, wenn ich nämlich unterwegs bin (z.B. auf der Insel) und der Umschlag bei mir zu Hause in Athen rumliegt.

Danach gibt es noch das Problem mit den Abstimmungszeiten, bei dem ich wohl auch selber schuld bin: Die "elektronische" Wahl-Urne schliesst am Samstag um 12 Uhr (Schweizer Zeit). Es kam schon öfters vor, dass ich die Unterlagen zur Hand nahm, im festen Glauben, dass ich bis Sonntag 12 Uhr abstimmen kann. Puff, war nix, schon zu spät. Heute fiel mir dann grade noch ein "hmmm, die Abstimmungszeiten sind immer so komisch, lieber nochmal nachschauen". Da hatte ich dann noch 40 Minuten Zeit abzustimmen, aber das reicht ja.

Als Auslandschweizer kann ich übrigens (versuchsweise) per Internet abstimmen. Ist schon sehr praktisch. Es gibt auch 2-3 Versicherungen im System, damit man überprüfen kann, dass die Stimmabgabe korrekt zum Wahlsystem übermittelt wurde. Das ist natürlich schlicht und einfach Blödsinn. Bei der elektronischen Stimmabgabe ist gar nichts sicher, alles ist offen für Manipulationen. Spätestens sobald die Stimme auf dem Wahlsystem ist, kann sie nach belieben manipuliert werden. Im Gegensatz zum Wahlzettel aus Papier gibt es keine Möglichkeit der Kontrolle, z.B. durch Nachzählen oder einer unabhängigen Kontrolle der Wahlzettel.


Posted by betabug at 11:59 | Comments (0) | Trackbacks (0)
01 July 2015

Wie würde ich abstimmen?

Meine persönliche Motivation

Nächsten Sonntag ist das Referendum über die Vorschläge der Troika hier in Griechenland. Ich bin nicht griechischer Staatsbürger, aber ich lebe hier. Also kann ich nicht abstimmen, aber ich kann sagen, wie ich abstimmen würde. Ich gründe meine Meinung darauf, dass ich mich hier auskenne, die Sprache spreche, die Menschen kenne, das wirtschaftliche Umfeld kenne... kurz, ich weiss bedeutend mehr als die Redakteure der europäischen Zeitungen.

Gesundheitswesen

Letzten Januar hatte ich einen Unfall und wurde operiert. In jeder Krankenstation gab es je nur eine Krankenschwester, auch direkt in der Nachbetreuung nach dem OP. Man kann sich vorstellen, was das im Notfall bedeutet. Kleinere Unannehmlichkeiten wie teilweise nicht vorhandene Bettwäsche nehme ich nicht mal in Betracht. Bei mir war die medizinische Versorgung vorhanden, aber ich weiss, das es anderswo und zu anderen Zeiten Situationen gab, wo Angehörige Medikamente, Gazen, Desinfektionsmittel selber beschaffen mussten. Jetzt will die Troika noch weitere Einsparungen im Gesundheitswesen machen, und unter anderem weitere Spitäler schliessen. Dazu sollen noch die Selbstbehalte für Medikamente weiter erhöht werden

Renten

Die Renten wurden in den letzten Jahren extrem gekürzt. Viele Rentner leben mit 300 Euro im Monat - im Falle einer Vollrente. Die Troika fordert weitere Reduktionen bei den Renten, vor allem auch bei den niedrigen Renten. Der griechische Vorschlag, Geld bei den Militärausgaben einzusparen und dadurch die niedrigsten Renten zu erhöhen wurde abgelehnt. Das Minimum-Rentenalter soll auf 67 erhöht werden. Die Mär von den vielen Frührentnern in Griechenland, die an der Überschuldung schuld sind, ist ein Propaganda-Mythos und statistisch nicht belegt. Bis man mit Renten 300 Milliarden zusammen hat, bräuchte es sehr viel. Mit Panzern, U-Booten, und Grossprojekten geht es bedeutend schneller.

Arbeitsmarkt

Wir haben mit den bisherigen "Reformen" der Troika so schöne Dinge wie Arbeitnehmer, die einen Tag vor ihrem 24. Geburtstag entlassen werden, weil sie dann nicht mehr mit Dumpinglöhnen bezahlt werden können (derweil der gleiche Arbeitgeber seine Gewinne über Dreiecksgeschäfte mit Luxemburg oder Holland aus Griechenland abzieht). Dann haben wir Menschen, die für 240 Euro im Monat teilzeitangestellt sind, aber gezwungen werden, voll zu arbeiten. Solche Massnahmen vergrössern nur das Elend, sie bringen nichts, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Jetzt will die Troika noch alle Gesammtarbeitsverträge abschaffen und Massenentlassungen erlauben. Viele meiner Freunde und Bekannte sind arbeitslos oder arbeiten für Hungerlöhne, die die Lebenshaltungskosten nicht decken.

Bildung

Schon jetzt wurden viele Schulen geschlossen, Schulbücher gibt es nicht mehr (der Lehrer bringt ein Schulbuch mit, das in der Klasse herumgereicht wird, einige Eltern kaufen selber Schulbücher). Nun soll weiter beim Schulwesen gespart werden, Klassengrössen werden von 25-27 auf 30-35 Kinder erhöht. Eltern werden alles Schulmaterial bezahlen müssen und Geld für die Heizung der Schulhäuser sammeln müssen. Ich habe viele Freunde und Bekannte mit Kindern.

Tourismus

Die Mehrwertsteuer für Hotels und Restaurants soll erhöht werden. Der Tourismus ist noch die letzte verbleibende "Industrie" Griechenlands. Er muss momentan schwer kämpfen, um trotz der ganzen antigriechischen Propaganda zu überleben. Preiserhöhungen helfen da nicht. Lieber 6% Mehrwertsteuer von den Gästen die kommen, als 23% Mehrwertsteuer von den Gästen die zuhause bleiben.

Infrastruktur

In den letzten Jahren haben Regierungen wertvolle Infrastruktur verkauft, aufgrund Forderungen der Troika. Dabei wurde zum Beispiel die Postbank für 1 Milliarde verkauft, obwohl sie jedes Jahr 500 Millionen Gewinn in die Staatskasse gewirtschaftet hat. Viele der Verkäufe gingen an Spezln und "Freunde" der Regierung und der ausländischen Regierungen. Diese Verkäufe helfen nicht, das Finanzloch zu stopfen, sie generieren nur ein grösseres Loch und fördern noch mehr die Korruption. Jetzt fordert die Troika noch mehr zu verscherbeln: Bahnen, Häfen, Flughäfen, Strassen.

Schlussfolgerung

Ich könnte noch weitermachen. Es gibt noch weitere solche "Reformen", die ich nicht im Detail aufführe.

Die "Reformen" der Troika tragen null und nichts dazu bei, den Schuldenberg jemals abtragen zu können. Die Troika weiss auch selber dass diese Blutreformen Griechenland immer noch mit einer untragbaren Verschuldung belassen würden. Das ganze Angebot der Troika läuft dann für 5 Monate, dann geht alles wieder von vorne los. All das Elend, nutzlos. Hoffnung gibt das nicht. Und dafür sollte ich "Ja" stimmen?

Bei einem "Nein" ist vieles offen. Wie es ausgeht weiss man nicht. Schwierig wird es auf jeden Fall. Aber vielleicht gibt es ein kleines wenig Hoffnung, dass der Schrecken auch mal ein Ende hat.


Posted by betabug at 22:33 | Comments (2) | Trackbacks (0)
04 July 2015

Meine Prognose... das betabug-Wahlbarometer

Teeblätter sind alle, also muss betabug raten

Bei den letzten paar Wahlen habe ich jeweils das Ergebnis relativ gut vorhersagen können. Einige Male hatte ich das Resultat genau getroffen, andere Male zumindest die Richtung. Warum sollte ich also mein WahlBarometer nicht auch dieses Mal probieren? Viel mehr als lächerlich machen kann ich mich ja nicht.

Meine Vorhersage also für die morgige Volksabstimmung (Referendum): Mehr als 60% NEIN-Stimmen.

Wie komme ich zu dieser Vorhersage? Einmal gibt es da die Meinungsumfragen. In den Meinungsumfragen der Presse sind beide Seiten Kopf-an-Kopf, die JA-Seite leicht voran. Aha. Nur, die Presse von der wir hier reden, gehört einigen Oligarchen / Milliardären, und ist damit unter direkter Kontrolle der "Nea Dimokratia". Die haben ein direktes Interesse daran, dass die JA-Seite ermutigt wird. Das gleiche Spiel hatten wir schon bei den letzten Wahlen, wo Syriza zum Teil 10% mehr erreichte, als die Vorhersagen erwartet hatten.

Andererseits haben die Uni von Thessaloniki und anscheinend auch die Uni von Kreta Vorhersagen gemacht, bei denen für die NEIN-Seite um die 70% der Stimmen erwartet wurden.

All das könnte natürlich auch ein Kreti-Pleti-Zeitungskorrespondent lesen (zumindest in Übersetzung), aber das macht noch nicht mein Wahlbarometer aus. Mein System richtet sich danach, wer in meinem erweiterten Bekanntenkreis aussagt, was er stimmen wird. Da gibt es Leute, bei denen es klar ist, auf beiden Seiten. Die sind nicht so interessant. Dann gibt es aber auch Leute, bei denen es eine Änderung gegeben hat. Sei es von einer Seite zur anderen (ich hätte erwartet, dass der so stimmt, er sagt aber, dass er anders stimmen wird), oder aber Leute, von denen zu erwarten war, dass es sie halt nicht interessiert, und die jetzt ihre Stimme abgeben werden.

Mit all diesen Informationen füttere ich einen Mainframe, lasse eine geniale Software laufen und vergleiche das Resultat mit dem Kaffeesatz den wir im Vorbeigehen grad im Kafeneion gefunden haben. Daher die Vorhersage: Mehr als 60% NEIN. Wie gut meine Vorhersage war, erfahren wir morgen nacht.


Posted by betabug at 13:50 | Comments (2) | Trackbacks (0)
05 July 2015

Gefälschte Meinungsumfragen in Griechenland

Manipulationen in den Umfragen zum Referendum durch die Nea Dimokratia
Ausschnitt aus dem Strategie-Dokument

Wie ein Strategie-Dokument zeigt, das von der Partei Nea Dimokratia an ihre Funktionäre verteilt wurde (und das vor einigen Tagen geleakt wurde), kann die Partei ND Meinungsumfragen manipulieren und tut dies gezielt um beim Referendum ein besseres Resultat zu erzielen. Meine quelle ist hier bei Kouti tis pandoras.

Schauen wir doch einmal den rot unterstrichenen Text im Ausschnitt an (Übersetzung von mir):

Daher, im Masse wie das möglich ist, sollte die Meinungsumfrage / soziale Dynamik der Umfrage-Institute für das JA einen Anstieg abbilden, es soll also so aussehen, dass es eine Dynamik - eine Strömung zum JA gibt, die stabil ist. Aber nicht mit gleichen Zahlen, weil die Leute weiterhin misstrauisch gegenüber solchen Umfragen sind. Sie glauben, dass diese Teil des Systems sind.

Auf der anderen Seite, am Freitag 3.7., was auch der letzte Tag ist, an dem laut Gesetz Umfragen veröffentlicht werden dürfen, muss eine allumfassende Prädominanz des JA abgebildet werden, die keine Zweifel offenlässt, ohne aber Selbstzufriedenheit aufkommen zu lassen. Ein Vorsprung der sich um 5 bis 10 Prozent bewegt, je nach Umfrage-Institut. Wir merken an, dass bei entsprechenden Referenden im Ausland das JA üblicherweise unterrepräsentiert ist.

Es gibt also einen genauen Plan, was bitteschön die Meinungsumfragen von Tag zu Tag bis zum Finale zu zeigen haben. Eingeschränkt wird das ganze nur durch das "in dem Masse wie das möglich ist" am Anfang. Wenn man aber die Detail-Anweisungen liest, scheint da eine Menge möglich zu sein.

Wer gibt also auf diese Meinungsumfragen noch irgend etwas? Ich nicht, und ich empfehle als Alternative meine eigene Voraussage von gestern.


Posted by betabug at 17:17 | Comments (1) | Trackbacks (0)
09 July 2015

La drôle de guerre economique - the Phoney Economical War

Some quiet days in Greece under capital controls

We are living in strange times. The news about this country boils up all around this world. A total breakdown is imminent every one or two days. Or some kind of solution. Most of the time it's just another postponement, for another day or two. So, how is life right now in Greece? I think it resembles the phoney war.

Yesterday I went to town to buy some stuff and see some friends. I passed by a furniture shop. There weren't any other customers, but then this is a small shop, so that's quite normal. The owner wasn't falling all over himself to have a customer or sell something, he didn't offer me any special prices or the like. On the other hand, he basically said: "Whatever I have is in the shop right now, to order something will mean we have to pay up front, and there will be a long delay."

In some other shop it was the same story: "We can order it, but it's a bit complicated."

I then went on to visit my friend in his bike shop. He was out paying some bills, and I knew this would take some time. He would either be at the post office or do the payment at an ATM, because, you know, banks are closed due to capital controls. Both options would involve some waiting time.

So I went on to have a milkshake at my favorite cafe and pastry shop "Aktaion". Normally in July, this would be quite busy, but it was just the waiter sitting there. I chatted a bit with him, and of course he wasn't delighted by the situation. To put it a bit ironic, he is the worst example of the "lazy Greek": When the tourist season is on, he works 7 days a week. From morning till mid-afternoon - I would guess probably 10 hours. As a waiter, he is very attentive and speedy. He doesn't have much work in winter, but on a tourist island, that is to be expected, you have to earn in summer to survive the winter.

Why is the cafe so quiet? In fact, the tourists are here. There are a few cancellations, but not many. And soon after I had gotten my delicious sugar bomb, they arrived to occupy some tables. But the ones missing are the Greek customers. When the capital constrols restrict you to 60 Euros per day, going out for coffee is an easy candidate to cut something. In the super market you can pay with your bank card, while in the cafe you want the cash. It takes no genius to see that this is a brake to the economy.

Even more a brake is the general feeling of "wait what will happen". Even when people have the money to do some investment, a lot of them will wait right now, to see around the next corner. "What will happen till Thurday, when they say xy should happen?" "Let's wait till Monday, to see what goes down on the weekend." It's always another few days off. People remain calm. There is no panic.

We are in an economic war. But right now it resembles the "phoney war", before the Germans moved into France. As the French put it "la drôle de guerre". A lot of diplomatic discussions are held, a lot of back and forth. Some shots are exchanged, some fortresses are probed. A Maginot line of democracy is set up, but nobody knows if it will hold. A few people are dying, already, unfortunate to be poor and sick, or unfortunate to be refugees. The capital controls are the declaration of war, the blocking of ports and throwing up of siege lines by the ECB. But will the full war break out? Are we to be slaughtered soon?

There are positive stories too: My friend in the bike shop had ordered some stuff from his supplier. At first they told him: "Don't take it personal, but we now need the money up front." But when he called them two days later to extend the order with some more stuff, they said: "Your box is already on the way." In two days they had reversed their policy, for their dealers who they never had payment problems with them, and who never extended their line of credit, they will now continue as normal.

What I ask myself mostly is, how can we get from this phoney war straight to the London conference of 1953. Preferably without killing anybody and without putting this continent on fire in between.


Posted by betabug at 18:43 | Comments (0) | Trackbacks (0)
13 July 2015

Some Links to Facts on the Greek Debt Crisis

Always useful information

Here are some standard links that I keep coming back to refer people for facts about the Greek debt crisis.

Let's start with this Reuters article that shows how much the German state (and the Finish state, etc.) actually earns and saves from the crisis: Analysis: What taxpayer bailouts? Euro crisis saves Germany money

Then we have some arguments like "but one has to pay back ones debt!" and "if I owe money to my bank I can't either...". Basically it poses the example of Germany's handling of debt: How Europe cancelled Germany’s debt in 1953

And of course it is based on the London Agreement on German External Debts as described here at Wikipedia. It's very interesting that in any discussion I had with Germans, as soon as I point this out, they will do anything they can to change the topic.

But then of course, Greeks are just corrupt and lazy. Right? Right? Come on, admit it, no? Well, the numbers (from reliable source) don't agree: Corrupt, lazy Greeks? Debunking Ethnic Stereotyping substituting Economics

I should add some links about the corruption on the German side, about the so called CDU donations scandal (nice mis-nomer, it was simply a bribery scandal), about the bribes given by Siemens, HDW, Thyssen, etc. etc., in Greece and how much money that has cost the Greek people, but I haven't yet found a good comprehensive link. Suffice to say, the main reason why there is never any corruption or bribery proven in German courts is that the German law states that you have to prove that the politician being bribed actually changed policy because of that. As long as he says "I would have ruled like that anyway", no bribery. That was basically the Helmut Kohl defence. But I have to re-find the link for the analysis on that law again.


Posted by betabug at 13:03 | Comments (1) | Trackbacks (0)
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