betabug... Sascha Welter

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02 June 2013

Zu Besuch in Azalas

... und vorher ein kleiner Ausflug nach Panormou
Unwirkliches Licht, durch Sahara-Staub, Blick runter nach Moutsouna

Am letzten Mittwoch hatte ich einen Ausflug nach Moutsouna und Panormou geplant. Doch in letzter Minute kam mir der Südwind dazwischen. Der Wetterbericht am Vortag hatte noch von spielerischen 3-5 Beaufort berichtet, doch in der Nacht fing es an zu stürmen. Auch morgens um 7 wetterte es noch, mit Windgeschwindigkeit 45km/h und Böen von 75km/h. Kein gutes Wetter um über die Berge zu fahren. Der Südwind brachte auch Staub aus der Sahara mit, der alles in ein nebliges Licht einhüllte. Es sah kalt aus, war aber warm und stickig.

Mittags drehte dann der Wind, es klarte ein klein wenig auf und wurde kühler. Am Donnerstag stand ich auf und fand die Insel fast in Windstille vor, aber immer noch total "neblig". Ab ging es mit dem Velo, den Berg rauf nach Apiranthos - eine Steigung, die ich schon gut kenne. Von dort aus geht es rechts runter, Richtung Moutsouna, auf einer kleinen Strasse mit vielen, vielen Haarnadelkurven. Normalerweise ist die Aussicht hier ganz speziell schön, in diesem Dunst war es nur "speziell" (siehe Foto). Giannis hatte gemeint, dass ich nicht viel Verkehr zu erwarten hätte, doch er täuschte sich: Ich hatte einen Tag erwischt, an dem Schmirgel transportiert wurde. Mehrere grosse Lastwagen überholten mich und andere kamen mir entgegen. Ausserdem ist die Strasse viel schlechter ausgebaut als die von Apiranthos nach Filoti, so dass langsamere Fahrt angesagt war. Doch schon nach ca. 1 Stunde 20 Minuten war ich in Moutsouna.

Von dort fuhr ich weiter in Richtung Süden, nach Panormos. Jetzt war wirklich kein nennenswerter Verkehr mehr da. Die Küstenstrasse geht mal rauf, mal runter und ist recht malerisch. Panormos war natürlich verschlafen, zu früh am Tag, zu früh im Jahr. Zum Baden war es mir auch zu früh, dafür habe ich nochmal gefrühstückt und bin dann wieder zum Rückweg aufgebrochen.

Gebadet habe ich am bekannten Strand "Psili Amo" ("feiner Sand"), der mich nicht gross beeindruck hat. Es kann natürlich am Dunst in der Luft gelegen haben, der Strand sah halt aus wie einer von vielen. Schwimmen war trotzdem nett, die Beine freuen sich immer nach dem radfahren. Badetuch hatte ich keines dabei, so dass ich nach etwas trocknen in der Sonne wieder weiterfuhr. In Moutsouna unterhielt ich mich mit einer älteren Dame über das Velofahren, die Schönheit von Naxos und (wie immer) wo ich herkomme und so weiter. Ich hatte sie nach dem Weg nach Azalas gefragt.

Dorthin fand ich auch so, und mit etwas Hilfe vom GPS fand ich die Ferienhäuser von Astrid und Nikos (sehr schön beschrieben unter http://azalas.de und auf Astrids Blog). Als ich ankam, war Astrid grad im Garten und sammelte Zutaten für einen Salat ein. Von ihr bekam ich dann erst einmal kaltes Wasser und zwei Stück Kuchen vorgesetzt. Wir unterhielten uns, während Sie Salat rüstete. Später holte Sie die Kinder vom Schulbus ab (Grundschule ist in Apiranthos, Gymnasium in Halki - wenn ich es richtig in Erinnerung habe) und dann kam Nikos zum Mittagessen, zusammen mit den Bauarbeitern, die dabei helfen ein neues Wohnhaus zu bauen.

Nach Mittagessen und spannender Unterhaltung, bin ich kurz zum Strand und dann in den Schatten auf ein Nickerchen. Der Plan war, die wärmste Zeit des Tages faul rumzuliegen und den Rückweg etwas kühler am späten Nachmittag anzugehen. Um 6 Uhr verabschiedete ich mich wieder von meinen Gastgebern und ab gings. Zuerst über die Schotterstrasse und dann bergauf. Von Meereshöhe auf 670m, eine grosse Steigung, alles am Stück. Es war spannend. Ich machte 3 mal Pause um etwas abzukühlen und wieder zu Atem zu kommen. In Apiranthos oben angekommen war es schon toll, geschafft! Von dort geht es eigentlich fast nur noch abwärts nach Hause. Nach 1 Stunde 45 Minuten angekommen war ich geschafft, aber zufrieden.


Posted by betabug at 20:59 | Comments (2) | Trackbacks (0)
21 June 2013

ERT - Das staatliche Griechische Fernsehen, Journalisten überall, und die alte Falschmeldungs-Masche

Schlaft, Leute, schlaft ein

Vorletzte Woche platzte die Nachricht, dass die griechische Kolonialverwaltung die staatlichen Radio- und Fernsehsender (kurz als "ERT" bezeichnet) schliessen wird. In der gleichen Nacht danach wurde das Signal abgeschaltet. Grosses Echo auf der ganzen Welt. Die Mitarbeiter besetzten die Gebäude, senden ein "Streikprogramm", in dem all die Informationen gesendet werden, die es sonst nie ins Fernsehprogramm schaffen. (Zerstörung der Halkidiki durch Goldabbau kanadischer Grosskonzerne, ohne dass auch nur ein Euro beim griechischen Staat landet? Schon mal von gehört?)

Am letzten Samstag fuhr ich bei den besetzten Gebäuden der ERT vorbei und traf dort Freunde. Es waren sehr viele Leute dort, tagtäglich gehen Bürger dort vorbei, um ihre Unterstützung zu bekunden. Die Stimmung bei den Entlassenen ist nicht besonders gut, wie man sich ja vorstellen kann.

Jetzt melden die europäischen Medien, dass das oberste Verwaltungsgericht entschieden hat, dass die ERT nicht schliessen muss, lediglich einen "Neustart" soll es geben.

Liebe Journalisten: Gratuliere, Ihr habt Euch wiedermal manipulieren lassen. Gibt es eigentlich etwas erbärmlicheres als Journalisten? Tagtäglich machen sie sich zu Handlangern und Stiefelleckern der Mächtigen und Reichen. Wenn dann Ihresgleichen abgesetzt werden sollen, weil so ein staatlicher Sender vielleicht ein kleines Bischen zu kritisch war (nicht dass der Unterschied mir z.B. aufgefallen wäre), dann machen sie kurz in Krokodilstränen und drucken gleich wieder manipulierte Meldungen ab ohne auch nur minimalst zu hinterfragen.

Das Wort "Neustart", liebe Journis, sollte bei Euch knallrote Alarmglocken auslösen. "Neustart" ist ein typisches Neusprech-Wort. "Reform" und "unausweichlich"? Ach wie Neusprech.

Worum geht es bei der Schliessung der ERT eigentlich?

  • Es geht darum einen ganz leicht kritischeren Sender mundtot zu machen. Journalisten dieses Senders haben sich z.B. letztens geweigert, weiterhin Rechtsradikale in Politiker-Gesprächsrunden einzuladen.
  • Der Sender soll geschlossen werden und dann gleich unter neuen Namen neu eröffnet werden (leicht verkleinert). Dabei können alle Stellen neu besetzt werden, und zwar nach Gutdünken der regierenden Partei. Postenschacher in Reinform. Gefälligkeits-Journalismus in Perfektion. Jaja, auf diesem Auge sind unsere Journalisten ja blind, "das haben wir noch nie gesehen, das sehen wir nicht".
  • Die Privatsender sind wirtschaftlich und bestechungstechnisch eng mit den Regierungsparteien verbunden. Mit der Verkleinerung des staatlichen Fernsehens und der Entlassung von fast 3000 Mitarbeitern tut man denen einen grossen Gefallen.

Geht es darum, Geld zu sparen und den Staatshaushalt zu entlasten? Hahaha, gut gelacht. Die ERT wird nicht aus dem Staatshaushalt bezahlt, sondern über Rundfunkbeiträge (die über die Stromrechnung bezahlt werden). Ich weiss nicht, ob der Staat noch was zuschiesst, aber mir hat ein Mitarbeiter gesagt, dass die ERT häufig sogar Gewinn erwirtschaftet hat. Die Leute, die vergangene Regierungen mit fetten Wundergehältern in die oberen Etagen der ERT platziert hatte wurden schon rausgeschmissen, um die kann es wohl nicht gehen. Eher werden sie im neuen Sender wieder drin sein.

Was also hat das oberste Verwaltungsgericht gesprochen? Zuerst einmal, dass die Entlassung aller Mitarbeiter rechtens ist. Dann, dass es rechtens ist, dass die Regierung einen Posten schafft, der alleine die Neueinstellungen für den neuen Sender überwachen darf, von Samaras Gnaden. Als einziges kleines "Zückerchen", dass es nicht sein soll, dass es eine Periode gibt, in der der Sender ganz zu ist und nicht sendet. Es ist also alles was passiert rechtens, Korruption, Vetternwirtschaft, Günstlingswirtschaft erhalten einen Freibrief. Was denn, Ihr Journalisten habt nichts davon gemerkt? Ihr glaubt immernoch, es ist etwas "rückgängig gemacht worden"? Gratuliere.

Das ganze ist die alte Masche mit Falschmeldungen: Man druckt etwas gross ab was von vorne und hinten falsch ist. Die Ôffentlichkeit liest, hört, sieht... und ist beeindruckt. So ist es also. In zwei, drei Wochen stellt sich das alles als falsch heraus. Vielleicht meldet man es dann auch. Klein. Irgendwo weit hinten. Kein Schwein sieht es. Aber technisch gesehen hat man es ja korrigiert, es ist also alles in Ordnung.


Posted by betabug at 09:08 | Comments (0) | Trackbacks (0)