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Erleuchtete Fenster

Ein Café mit Licht in den Fenstern, ein roter 2CV parkt davor

Fenster hinter denen Licht brennt, warmes, einladendes, verheissendes Licht, nachts oder auch abends, beim Eindunkeln ... das war immer etwas, das mich angezogen hat. Da gibt es so eine kleine Verlockung reinzuschauen. Sich nicht erwischen lassen dabei. Aber trotzdem reinzuschauen, vielleicht einen Moment von dem Glück zu erhaschen, das sich "Zuhause" nennt. Gerade in Zeiten, in denen meine Wohnsituation kompliziert oder unsicher war, liebte ich es, beleuchtete Fenster zu sehen. Wünschte ich mir auch solche erleuchteten Fenster.

Wenn es langsam dunkel wird in einer Stadt, wenn mir die vielen Menschen langsam auf die Nerven gehen: Wenn ich spüre, wie einsam so eine Stadt sein kann, wie verloren man in ihr sein kann. Da finde ich ein Café, dessen Fenster warm strahlen. Da drinnen ist man auch fast anonym. Die kennen einen auch nicht, aber trotzdem ist man nicht alleine. Man bestellt etwas und damit hat man schon das Recht, hier zu sitzen, hier zu sein. Vielleicht hat die Bedienung auch ein freundliches Wort, ein Lächeln.

Im Dorf haben die beleuchteten Fenster noch viel mehr zu erzählen. Griechische Dörfer kämpfen schon seit langem (ganz sicher schon seit dem letzten Krieg) mit der Entvölkerung. In einigen Gegenden, zum Beispiel in Nord- oder Zentralgriechenland, ist es ganz schlimm. Aber selbst hier auf der Insel gibt es leere oder fast leere Dörfer. Dörfer, in denen nur im Sommer Menschen leben, für ein paar Wochen. Dörfer, in denen es nur Ruinen gibt oder von Fremden hergerichtete Häuser, mir Schildern "Vorsicht Kamera".

Als wir ins Dorf zogen freuten sich die Leute. Die erleuchteten Fenster "unseres" Hauses hatten jetzt eine ganz neue Bedeutung. Immer wieder bekamen wir gesagt: "Wie schön ist es, bei euch Licht zu sehen!" Auch im Dorf redet man nicht jeden Tag mit den Nachbarn. Manchmal sieht man seine Nachbarn monatelang nicht, obwohl man weiss, dass die da sind. Aber das Licht zeigt: Die wohnen da, die leben, die sind da. Das Dorf lebt, wir sind nicht alleine.

Ich machte es zum Prinzip, dass bei uns im Haus Licht brennt. Auch das Licht auf der Aussentreppe machte ich immer an. Mit modernen Lampen kostet das nicht wirklich viel. Die kleine Extraausgabe ist es mir wert, um dem Dorf ein kleines Extra an Wärme zu geben.

Der Eingang und die Aussentreppe eines Hauses in einem Dorf, die Fenster sind erleuchtet und die Treppe ist beleuchtet

Warum gibt es Wegwerfprodukte?

Eine plattgewalzte Bierdose aus Aluminium auf einem Feldweg

Der Grund warum wir überquellende Müllhalden, Mikroplastik selbst im innersten unserer Körper und Plastikmüll selbst auf den entlegensten Inselparadiesen haben ist ... billige Energie.

In einem etwas älteren Beitrag auf dem Blog des Schweizer Nationalmuseums mit dem Titel Eine kurze Geschichte der Kreislaufwirtschaft bin ich auf einen einfachen Gedanken gestossen: Dass es eben erst aus zwei Gründen möglich war, all diese Wegwerfprodukte zu produzieren:

  1. Die Industrielle Revolution

  2. Die billigen Erdölpreise seit den 1950er Jahren

Erst durch diese Entwicklungen machte es Sinn, einen Eimer eben nicht so zu produzieren, dass er es ein Leben lang aushält, dass wir mit seinem Wasser den Fussboden wischen. Jetzt kostet der Eimer 3.50, ist aus Plastik, das selbst bei Nichtbenutzung nach ein paar Jahren zerbricht. Über seinen Ersatz ("kurz einen neuen kaufen") und das was von ihm übrig bleibt, sollen wir uns möglichst keine Gedanken machen. Nur ich stehe dann da, mit den Bruchstücken des Plastiks in der Hand und frage mich, ob es überhaupt noch Sinn macht, die vergilbten Bruchstücke überhaupt noch ins "Recycling" zu schmeissen.

Ohne die Industrielle Revolution und die billige Energie wäre der Eimer teuer, weil handgemacht und aus verzinktem Blech oder sogar Holz. Vielleicht würde jeder Eimer ein wenig anders aussehen. Auf jeden Fall würden wir ihn ein Leben lang benutzen wollen ... nicht nur weil er teuer war, sondern auch weil er eben "unser Eimer" wäre. Der Mensch, der in gemacht hätte, würde vielleicht bei uns im Stadtteil leben oder im nächsten Dorf.

Ohne diese billige Energie, wäre auch das Bier in der Aludose nicht machbar, selbst die perfekteste Optimierung der Quartalszahlen für die Shareholdervalue wäre nicht durchsetzbar.

Ich denke dabei nicht so sehr an Nostalgie, als vielmehr daran, ob diese billige Energie wirklich so viel billiger ist. Wir zahlen für den Plastikeimer (und all die anderen Wegwerfprodukte) einfach nur kollektiv "auf später" die Rechnung. Falls wir sie dann noch zahlen können.

Diese Velosaison entwickelt sich für mich bis jetzt etwas wie Paris-Roubaix: Dauernd irgendwelche rauhe Streckenabschnitte ... und dann ein harter Kampf um wieder halbwegs den Anschluss zu schaffen.

Drei Jahre ... drei Jahre des Unfassbaren. Drei Jahre Krieg. Ich bin immer noch fassungslos.

... innerhalb der planetaren Grenzen

Der Titel der Abstimmungsbroschüre für die Volksabstimmung am 9. Februar 2025 "Für eine verantwortungsvolle Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen"

Eine Volksinitiative, die verlangt, "dass wirtschaftliche Tätigkeiten nicht mehr Resourcen verbrauchen und Schadstoffe freisetzen, als für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen erlaubt ist" steht dieses Wochenende in der Schweiz zur Abstimmung an. "Für eine verantwortungsvolle Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen" oder kurz "Umweltverantwortungsinitiative" heisst das Ganze.

Chancen für eine Annahme sehe ich eher nicht. Was für mich im Moment aber nicht das Wichtigste ist (nein, nein, natürlich wäre es meiner Meinung nach sehr gut und wichtig, wenn diese Initiative angenommen würde). Für mich ist es nur schon ein Lichtblick, dass diese Initiative zur Abstimmung gelangt ist. Das gesellschaftliche Momentum, dass es dafür braucht, dass so etwas da ist, das tut gut. Vom Sammeln der nötigen Unterschriften, zur Kampagne, selbst zur (von weitem gesehen eher minimalen) Präsenz in den Medien: Das ist doch mal etwas ganz anderes als das "der Klimawandel ist in den Bundestagswahlen kein Thema" in Deutschland.

Im Abstimmungsbüchlein steht:

"Die Initiative setzt eine Frist von zehn Jahren

[...]

Der Initiativtext lässt die genauen Massnahmen zur Umsetzung, wie Vorschriften, Verbote und Anreize für einen umweltverträglicheren Konsum, offen. Wegen der kurzen Frist dürften einschneidende Instrumente notwendig sein."

Hervorhebung von mir. Dieser Text stammt nicht von den Initianten, den schreibt irgendjemand in der Staatskanzlei oder so. Der Teil, den ich fett hervorgehoben habe, ist sehr wahrscheinlich absichtlich als Abschreckung da rein gerutscht.

Aber das ist gar nicht so unpassend. Es deutet immer mehr darauf hin, dass wir die 1.5°-Hürde jetzt schon übersprungen haben. Es wird jetzt nicht mehr damit getan sein, Industrieprojekte grün anzumalen und den Leuten ihren von der Ölindustrie erfundenen "carbon footprint" vorzuwerfen. (Dass da "Anreize für einen umweltverträglicheren Konsum" steht, zeigt uns, wie tief verankert dieses Denken ist, dass die Leute halt nur mehr Recycling von Joghurtbechern machen sollten, dann wird schon alles gut. Wie verinnerlicht das "carbon footprint"-Denken bei solchen Leuten ist.) Egal ob mit dieser Initiative oder anders, wir werden uns früher oder später darauf einstellen müssen, dass "einschneidende Instrumente" nötig sein werden.

Studentenproteste in Serbien

Seit einigen Tagen sehe ich online mehr und mehr Berichte über die Studentenproteste in Serbien. Beeindruckende Bilder von Menschenmengen, die ganze Autobahnüberführungen besetzt halten. Eine junge Generation, die kämpft mit der Allgegenwart von Korruption und institutionalisierter Kriminalität. Mehr und mehr Unterstützung auch aus anderen Teilen der Bevölkerung.

Obwohl ich kein optimistischer Mensch bin (vielleicht inzwischen, man wird ja älter und da verändern sich solche Sachen), und obwohl es wohl auch für Optimisten schwer sein wird, sich ein positives Resultat vorzustellen, ... das ganze gibt mir etwas Hoffnung. Ich benutze das Wort nicht wirklich gerne, zu nahe ist mir da die Assoziation mit "enttäuschter Hoffnung". Doch wenn selbst in einem Land wie Serbien (wo diese Strukturen der Klientelwirtschaft ihre vergifteten Wurzeln so tief eingegraben haben) so viele Junge Menschen bereit sind, so viel zu tun und so viel zu riskieren, ich glaube, da darf ich mir schon einen kleinen Tropfen Hoffnung erlauben.

Die Student:innen organisieren sich mit direkter Demokratie, ohne Anführer und feste Strukturen. Das macht es für die staatlichen "Sicherheitsorgane" schwer, sie zu unterdrücken. Und ... es erinnert mich an die Proteste 2011 in Griechenland. Sie lassen sich nicht von politischen Parteien vereinnahmen, egal wie "oppositionell", genau wie wir. Auch damals erfüllte mich die Stimmung im Land mit Hoffnung. Viel ist dabei natürlich nicht rausgekommen, ausser einer kleinen politischen Verschiebung und von Zeit zu Zeit einem leichten Anflug von PTSD bei mir.

Trotzdem: Mögen es die Studenten in Serbien besser machen! Sie machen jetzt schon viele Dinge besser als wir "damals". Sie beissen sich nicht auf einen Ort und eine Strategie fest. Ihre Forderungen sind nicht nur generell (Transparenz, Gerechtigkeit, Kampf gegen die Korruption), sondern es heisst auch, dass sie eine Reihe von konkreten, definierten Massnahmen fordern. Gleichzeitig sagen die Student:innen selber, dass sie keinen festen Plan haben. Es ist also noch viel offen.

Der Blog des Nationalmuseums

Der Blog des Schweizer Nationalmuseums ist eine neue Entdeckung für mich. Viele verschiedene Themen -- natürlich alle mit geschichtlichem Bezug. Was ich bis jetzt gelesen habe war sehr interessant und gut geschrieben. Hier drei mehr oder weniger zufällig gewählte Beiträge...

Zürichs erste "Photographistin": "Die frühe Fotografie gilt oft als Männerdomäne. Doch auch in der Schweiz gab es im 19. Jahrhundert Pionierinnen dieser neuen Kunstform. Eine von ihnen war Regula Rathgeb, die sogar ein eigenes Fotoatelier errichten wollte."

An diesem Artikel finde ich es besonders interessant zu sehen, aufgrund von welchen Spuren hier eine Frau und ihr Wirken entdeckt und beschrieben wird. ... oder eben "beschrieben werden kann". Es sind ein Eintritt in einem Verzeichnis von Fotografen und einige bürokratische Akten. Spannend, wie wenig da zu finden ist ... und gleichzeitig wie viel vom Menschen doch durchscheint.

Die befestigte Sprachgrenze: "Im Ersten Weltkrieg soll die Fortifikation Murten einen französischen Angriff aus Westen aufhalten. Im Berner Seeland und im Murtenbiet entstehen Schützengraben und Bunker. Viele dieser Bauten liegen direkt auf der Sprachgrenze!"

Auch eine Entdeckung für mich. Mein Wissensstand zur Schweiz im Ersten Weltkrieg ist sehr begrenzt, soviel ist mir natürlich bewusst. Im Grunde wusste ich um die Wahl und (sagen wir) "diskutierte" Rolle von General Ulrich Wille. Die Geschichte von diesen Befestigungsbauten ist natürlich nicht weltbewegend, aber eben doch spannend.

Die Republik von Ossola: "Im Herbst 1944 befreiten Partisanenverbände ein beachtliches Gebiet rund um Domodossola von den Deutschen und Faschisten und gründeten eine eigene Republik. Doch die Widerstandskämpfer waren zerstritten und nach einem guten Monat platzte der Traum vom eigenen Staat. Die Geschichte einer Tragödie vor den Toren der Schweiz."

Auch so eine Entdeckung. Dise Verbindung der Schweiz (wohl vor allem des Tessins) zu den italienischen Partisanen war komplett an mir vorbei gegangen. Der Blog des Nationalmuseums hat mehrere Beiträge zu diesem Thema.

Verkehrserziehung

"Verkehrserziehung" ... was für ein Wort! In der Schule hatte ich natürlich sowas, komplett mit "Veloprüfung", bei der wir unter den Augen der Lehrer in voller Radfahrt zu zeigen hatten, dass wir mit sauberem Handzeichen und Zurückschauen links abbiegen konnten. Das ganze folgte dem System, dass man auf Englisch als vehicular cycling bezeichnet. Also, dass man sich als Radfahrer:in wie ein Auto verhalten soll. Selbst der Wikipedia-Artikel (der das ansonsten meines Erachtens als viel zu positiv sieht) merkt an, dass das halt für starke Velofahrer mit viel Selbstvertrauen funktioniert.

Ob es mich später mit dem Velo im wilden Strassenverkehr von Athen sicherer gemacht hat? Schwer zu sagen, aber bei der Führerscheinprüfung hat es geholfen. Was auch passt, denn damals sahen viele Leute das Erlernen des Fahrradfahrens einfach als eine Vorstufe für das spätere Autofahren.

An diese ganze Geschichte wurde ich erinnert, als ich in der taz eine Kolumne mit dem Titel Verkehrserziehung - Ein roter Teppich für den Schulweg las. Die Kolumne trifft sehr schön das "Framing" unserer ganzen Verkehrslogik, was man mit dem Auto alles darf, was sonst undenkbar wäre.

Die Autorin (Kerstin Finkelstein) hat unter anderem auch ein Buch für Kinder gemacht, in dem es eben um wirkliche Verkehrserziehung geht, in der Realität von unseren Strassen. Den heutigen Strassen, auf denen es chaotisch und unübersichtlich zu geht, nicht so schön aufgeräumt und logisch wie bei uns im Verkehrsunterricht in der Schule. Das Buch heisst: So geht Straße! In der Lesevorschau sieht es für mich sehr gut aus ... bestellt hab ich es trotzdem nicht, nach längerer Abwägung denke ich, dass ich trotzdem etwas zu alt dafür bin. Ausserdem hatte ich ja damals doch noch die Veloprüfung bestanden.

Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland

Vor einigen Jahren hatte ich einmal geholfen die ältesten Einwohner eines Dorfes auf dem Peleponnes zu interviewen, für ein lokales Buchprojekt. Ich war komplett unvorbereitet dafür, wie tief diese Gespräche in die Geschichte Griechenlands gingen und in die persönliche Geschichte dieser Menschen. Einige Zeit später las ich dann das erste Mal über das, was man Oral History nennt, definiert bei Wikipedia als "eine Methode der Geschichtswissenschaft, die auf dem Sprechenlassen von Zeitzeugen basiert". Mir wurde klar, dass das, was wir da gemacht hatten, ohne dass wir es wussten, eben solche "Oral History" Interviews waren.

Seit dem hat mich diese Form der Geschichtsschreibung fasziniert. Es ist etwas direktes daran, eine persönliche Berührung mit der Geschichte. Es ist für mich der Versuch, etwas flüchtiges zu bewahren.

Vor ein paar Tagen entdeckte ich dann das Projekt "Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland", von zwei Universitäten in Deutschland und Griechenland. Die haben mit noch lebenden Zeitzeugen gesprochen und diese in 93 Gesprächen auf Video aufgezeichnet. Das ganze ist online, allerdings mit Registrierung, bei der man angeben muss, warum man das sehen will. (Bis jetzt habe ich auf meine Registrierung noch keine Antwort erhalten...)

Was man allerdings frei zugänglich sehen kann, ist der Dokumentarfilm, den sie daraus gemacht haben. Dafür wurden Ausschnitte aus den Interviews verwendet und diese mit zusätzlichen Informationen versehen. Vorteil: Man hat mehr "Kontext", weiss was gemeint ist. Nachteil: Ich würde trotzdem gerne zumindest einige der Interviews ganz sehen können. Der Dokumentarfilm ist gut gemacht, aber er ist halt ein Dokumentarfilm. Es gibt ihn auf Griechisch (alles im Original) oder dann auf Deutsch, wo die Übersetzung darüber gesprochen ist (die Version, die ich verlinkt habe).

Herr Bundeskanzler Scholz, wieviele tote Zivilisten ist ihnen russisches Gas für Deutschland wert?

Drehen Sie endlich den Gashahn zu! Und drehen Sie damit auch dem Krieg den Geldhahn zu! Am Anfang des Krieges hatte Ihre Regierung gesagt, dass die Reserven für den ganzen Winter reichen. Ziehen Sie jetzt die Konsequenzen, hören Sie auf mit Mördern Geschäfte zu machen!

#Krieg #Ukraine #war #Deutschland #Bundeskanzler